Thema: Mut zur Erziehung

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Eine Familie, die bei Halloween und Hexenfest aneckt

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BEATE GSELL

Auf den ersten Blick sind die Jourdans eine ganz normale Familie: sie leben in einem Reihenhäuschen mit Garten, Vater Thomi ist Ökonom und Supervisor, Mutter Jacqueline Primarlehrerin, Tim Noah – ein aufgeweckter siebenjähriger Junge, dessen Wissensdurst kaum zu löschen ist – und Josia, der kleinere Bruder mit vier Jahren,  fantasievoll und möchte gern dem älteren nacheifern. Auf den zweiten Blick gibt es Unterschiede zu den ‘ganz gewöhnlichen’ Familien. Ehepaar Jourdan möchte seine Kinder bewusst nach biblischen Werten erziehen. Im Alltag eckt die Familie manchmal an, weil sie bei Halloween und Hexenfesten nicht mitmacht. Den einen sind sie zu fromm, den anderen nicht fromm genug. Hin und wieder ziehen Christen kritisch die Augenbrauen hoch, wenn sie zum Beispiel hören, dass die Familie keinen Internet-Filter eingebaut hat, um die Kinder zu schützen. Wir wollten wissen, von welchen Werten sich Thomi und Jacqueline Jourdan in der Erziehung leiten lassen.

Beate Gsell: Kinder in christlichen Familien fühlen sich manchmal unter Druck gesetzt. Sie sollen sich ‘christlich’ verhalten – was auch immer darunter verstanden wird. Welche Einstellung habt Ihr zu Euren Kindern?

Thomi Jourdan: Gott hat uns ‘Kinder’ zur Erziehung gegeben, nicht ‘Christen’. Das werden sie erst, wenn sie bewusst ihr Leben Jesus Christus anvertrauen. Diese Einstellung hat bei uns vieles entstresst. Wir wollen weder uns noch unsere Kinder unter Druck setzen. Unsere Kinder sollen uns als Eltern ehren, nicht weil sie Christen sind, sondern weil wir ihre Eltern sind. Deshalb verlangen wir zum Beispiel auch von ihnen, dass sie am Sonntag mit in die Gemeinde kommen. Nicht weil wir von ihnen ‘christliches Verhalten’ erwarten, sondern weil wir ihre Eltern sind und daher auch bestimmte Eckpunkte im Tagesablauf verbindlich setzen.

Jacqueline Jourdan: Der Glaube gehört zu unserem Leben. Unsere Kinder sollen das sehen und erleben. Wie wäre es denn, wenn wir im Tennis-Club Mitglied wären? Wenn es dort ein Fest gibt, würden wir unsere Kinder auch mitnehmen. Nicht, weil sie Tennisspieler wären, sondern weil sie unsere Kinder sind.

Beate Gsell: Welche Werte leitet Ihr für die Erziehung Eurer Kinder aus der Bibel ab?

Jacqueline Jourdan: Die Dankbarkeit. Meine Kinder sollen an mir sehen, dass ich selber dankbar bin. Was wir haben – eine Familie, ein Haus, Nahrung, Freunde und vieles andere – ist nicht selbstverständlich.

Thomi Jourdan: Die Vergebung. Meine Kinder sollen an mir erleben, wie ich über einen Fehler geknickt bin; sie sollen sehen, wie ich mich – von Herzen – entschuldige. Mir ist wichtig, dass unsere Kinder auch verbal zum Ausdruck bringen können, dass ihnen etwas leidtut. Sie sollen sich für einen konkreten Fehler entschuldigen und diesen Fehler beim Namen nennen. Etwas aussprechen und benennen können, hilft sehr zur Klärung.

Jacqueline Jourdan: Unsere christliche Einstellung kommt auch im Beten zum Ausdruck. Wir beten vor dem Essen. Die Kinder dürfen wählen, ob wir singen oder beten. Auch am Abend schliessen wir den Tag mit einem Gebet ab. Wenn sie nicht beten wollen, zwingen wir sie nicht. Aber wir als Eltern beten immer mit ihnen und segnen sie.

Beate Gsell: Wie kommt Ihr mit der anderen Weltanschauung im Kindergarten zurecht?

Thomi Jourdan: Wenn es Feste gibt, die mit bösen Geistern zu tun haben, lassen wir unsere Kinder daran nicht teilnehmen. Wir erklären ihnen, dass es unterschiedliche Meinungen gibt: die einen glauben an Gott, andere tun es nicht. Wir verteufeln nicht die ‘von der Welt’, sondern machen deutlich, dass Mama und Papa sich nicht an diesen Festen beteiligen. Unsere Kinder sollen sich eines Tages selbst damit auseinandersetzen. Was wir ihnen mitgeben können, ist das Erlebnis, eine klare Linie zu haben. Klarheit und Echtheit sind uns wichtige biblische Werte.  

Jacqueline Jourdan: Einmal war ich mit Tim Noah in Luzern. Es war gerade Fasnacht, und ich beschloss, mit Tim Noah diese noch ein bisschen anzuschauen. Ich wollte ihm diesen Brauch zeigen. Unser sechsjähriger Sohn wollte aber schon nach einer halben Stunde nach Hause, weil ihm die Masken Angst machten. Anschliessend hatte ich mit ihm ein Gespräch über Bräuche und Symbole und deren Ursprünge. Ich konnte ihm erklären, warum wir gewisse Handlungen und Bräuche nicht tun. Mir ist wichtig, Dinge zu erklären und ihm zu lehren, den Dingen auf den Grund zu gehen und zu überprüfen.

Beate Gsell: Der Medienkonsum wird ein immer wichtigeres Thema in unserer Gesellschaft. Kinder werden von klein auf damit konfrontiert. Wie geht Ihr mit den Medien um?

Thomi Jourdan: Den Umgang mit Medien können wir als Eltern nicht delegieren. Unsere Kinder sollen deutlich merken, welche Inhalte uns wichtig sind und welche wir ablehnen. Beim Fernsehprogramm sind wir restriktiv, weil es Filme gibt, vor denen wir unsere Kinder schützen wollen. Etwas anders verhält es sich mit dem Internet. Ich werde bewusst keinen Filter installieren  denn ich weiss, dass die Kinder so clever sein werden, dass sie diesen ausschalten könnten und/oder auswärts problemlos an gewisse Seiten rankommen. Ich kann nicht alles verhindern, aber ich kann mein Bestes dafür geben, dass meine Kinder verantwortungsvoll handelnde Menschen werden. Dazu muss ich mir Zeit nehmen, mit ihnen über das Leben und Werte zu diskutieren. Das braucht mehr Zeit als die Installation eines Filters. Aber es ist ganz sicher nachhaltiger!

Jacqueline Jourdan: Als Tim Noah das Internet entdeckte und anfing zu begreifen, wie man von einer Seite zum nächsten Link kommt, hat er das Zeitgefühl sofort verloren. Deshalb mussten wir klare Regeln aufstellen. Tim Noah darf einmal pro Woche an den Computer. Wir kamen auf die Idee, den Küchenwecker auf eine halbe Stunde zu stellen. Klingelt der Wecker, muss Tim Noah den Computer abstellen. Das funktioniert sehr gut.

Beate Gsell: Wie schafft Ihr den Spagat zwischen Verbot und Freiheit?

Jacqueline Jourdan: Wir geben unseren Kindern Regeln. Innerhalb dieser Begrenzungen erleben sie Freiheit. Wir staunen, wie kreativ und emotional sie sind und diese Freiheit auch voll auskosten können. Von einigen Menschen mögen wir als engstirnig angesehen werden. Aber erst klare Rahmen lassen echte Freiheit erlebbar machen.

Als Eltern ist uns wichtig, dass unsere Kinder einen natürlichen Zugang zum Wort Gottes finden. Wir füttern sie bewusst nicht mit zu vielen Bibelstellen, und wir zwingen sie nicht zum Lesen der Bibel. Aber biblische Geschichten und Jesus gehören zu unserem Leben wie das Essen und die Schule auch. Umso mehr freute mich, als Tim Noah vor kurzem um eine Bibel bat. Er hat gesehen, dass sich seine Eltern damit viel beschäftigen. Er wurde neugierig. Ich möchte noch eine andere Begebenheit erzählen: Wir erhielten einen Telefonanruf und erfuhren, dass ein Kind aus unserem Bekanntenkreis ins Spital gekommen ist. Da sagte er: «Wir hören jetzt mit dem Spielen auf und beten für das Kind.» In solchen Situationen wird mir deutlich, was Jesus meinte, als er sagte, dass wir von den Kindern lernen sollen. Und ich erkenne in solchen Situationen, wie unser Glaube für die Kinder natürlich im Alltag erlebt und auch gelebt wird.

Beate Gsell: Vielen Dank für das Interview!