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Fast wie im richtigen Dschungel

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BEATE GSELL

Kinder tasten sich Zentimeter für Zentimeter vor; ihre zarten Hände halten sich am Seil fest; die Hängebrücke schwankt unter ihren Füssen; sie sind sich nicht ganz sicher: können sie es wagen und rüber gehen? In der Nähe gibt es ein Pfeifkonzert von Papageien und Wellensittichen. Kinder mit bunt bemalten Gesichtern huschen vorüber. Plötzlich bleibt das Blut in den Adern stecken: eine Boa constrictor züngelt aufgeregt, blitzt mit ihren schwarzen Augen. In Zeitlupe schmiegt sich um die Schulter eines Mädchens. Mitten im Urwald! Könnte man meinen. Doch weit gefehlt. Diese Szenarien haben sich im Frühjahr in Buchs bei Zürich mitten im Dorf abgespielt. Joel Liebi von der Chrischona-Gemeinde, erzählt, wie es dazu gekommen ist.

«Mit unserer Jungschar traten wir in den vergangenen zwei Jahren auf der Stelle. Die Teilnehmerzahl pendelte sich auf 70 Kinder ein; das war im Vergleich zu früher enttäuschend. Wir überlegten uns, wie wir mehr Aufmerksamkeit wecken könnten. So entstand die Idee, eine Veranstaltung über ein Wochenende in Buchs zu organisieren», blickt Joel Liebi zurück. Kurz darauf fuhren er und Florian Höfliger zum nationalen Leiterwochenende des BESJ (Bund evangelischer Schweizer Jungscharen). Was die beiden Leiter des Kinder-Festes an diesem Leiterwochenende hörten, packte sie. «Wir lernten das Projekt ‘unerreicht’ kennen. Das gab uns Auftrieb und motivierte uns», erinnert sich Joel. «Wir sprachen mit dem Verantwortlichen Curdin Strasser; beide Seiten haben sich sofort gefunden. Mit der Unterstützung von BESJ wollten wir es wagen, bislang unerreichte Kinder in unserem Dorf zu unserer Jungschar einzuladen. Mit unserer Idee, die Dorfmitte von Buchs in einen Dschungel zu verwandeln, haben wir die Aufmerksamkeit der ganzen Dorfgemeinschaft auf uns gezogen. Innerhalb der Gemeinde ist das Bewusstsein für Unerreichte geschärft worden. Von BESJ bekamen wir nicht nur eine Hüpfburg und ein Zelt zur Verfügung gestellt, die Mitarbeiter standen auch mit Tat und Rat zur Seite und gaben uns geistliche Impulse.»

Mit dem Kopf voller Dschungel-Ideen kamen die beiden Leiter nach Hause, krempelten die Ärmel hoch und machten sich an die Organisation. Sie entwarfen genaue Aufgaben-Beschreibungen, läuteten die Werbetrommel in der Gemeinde, um die Aufgaben auf viele Schultern zu verteilen. Die Bilanz: 18 Jungscharleiter, 10 Mitglieder der Jugendgruppen und 10 Gemeindeglieder zogen gemeinsam an einem Strang. Ein Gemeindeglied fällte in seinem Waldstück Bäume, die für die zwei Klettertürme benötigt wurden; jemand machte sich auf die Suche nach einer echten Schlange – die sich später natürlich unter Kontrolle an Menschen anschmiegen würde -; für einen Streichelzoo wurden Meerschweinchen, Häschen und Hühner gesammelt; begabte Schminkerinnen wurden angeheuert, um in die Farbtöpfe zu greifen, damit die Besucher in rechte Urwaldstimmung kommen; kreative Leute fanden sich für Tanz- und Theatervorführungen; selbstverständlich sorgten die Gemeindeglieder auch für das leibliche Wohl.

Eine Gruppe von Mitarbeitern entwarf einen Plan für die Werbung. «Wir haben während des Festes nichts speziell Christliches angeboten. Denn das Fest ist nur ein Teil des Projekts ‘unerreicht’. Wir setzen auf Nachhaltigkeit. Unser Focus geht bis zum Jahr 2009, dann möchten wir 20 Prozent mehr Kinder in unserer Jungschar haben. Wir sagten während des Festes klar, wer wir sind. In einem Verteilblatt informierten wir über die Jungschar, unsere Gemeinde und BESJ.»

Es kamen mehr als erwartet. Joel Liebi zieht Bilanz: «Als wir am zweiten Tag gegen Mittag das Tor öffneten, wartete schon eine Menschenschlange davor. Die Kinder konnten es kaum erwarten, zum Parcours mit zehn Posten zu gelangen.» Durch dieses Wochenende sind elf neue Kinder zur Jungschar gestossen. Von der Dorf-Verwaltung gab es ein Lob für diese Art der Jugend-Prävention; sie bot ihre weitere Zusammenarbeit an. «Für uns war es ein grosser Aufwand. Aber die Arbeit war auf viele verteilt. Es hat sich gelohnt», resümiert der Jungscharleiter.

Nach diesem Wochenende landeten irgendwo viele bunte Luftballons mit einem Gruss vom Dschungelfest. Denn zum Schluss des Wochenendes gab es einen Ballon-Wettbewerb. Der Finder des Ballons, der am weitesten geflogen war, konnte sich über einen kostenlosen Eintritt im Zürcher Zoo freuen. So wie die Luftballons Botschafter des Festes waren, so wurde auch die Idee des Projekts ‘unerreicht’ ins Land ausgestreut. Wer die Idee aufschnappt und es so geschickt anstellt wie die Buchser, der erreicht tatsächlich die bislang ‘Unerreichten’.