Thema: Islam

Home>Themen-Artikel>Über Muhammad

Was Muhammad anders gesehen hat

#14936

EBERHARD TROEGER

Haben Sie muslimische Nachbarn? Oder wohnen Muslime in Ihrem Ort? Vielleicht wollten Sie schon einmal mit ihnen in Kontakt kommen, aber haben etwas Scheu davor. Die Entstehung und Entwicklung des Islam zu kennen, ist für ein Gespräch hilfreich, denn so sieht man, was Muhammad beim christlichen Glauben nicht verstanden hat. Nicht wenige Muslime sehnen sich nach Erlösung. Bleiben wir ihnen die Einladung zu Jesus Christus und seinem Heil nicht schuldig.

‘Islam’ heisst im engeren Sinne ‘Hingabe’ an Allah bzw. ‘Unterwerfung’ unter seinen Willen, bezeichnet im weiteren Sinne aber die breite religiös-politische Bewegung, die durch die Verkündigung Muhammads (ca. 570 bis 632 n. Chr.) entstand. Ein Muslim ist entweder ein Allah Hingegebener und ein Angehöriger der islamischen Gemeinschaft, der Umma. Im Mittelpunkt des Islam steht einerseits Allah, der als die eine, wahre Gottheit verehrt wird, andererseits Muhammad, der Verkündiger Allahs. Allah und Muhammad sind aufeinander bezogen wie die beiden Punkte einer Ellipse. In vielen Moscheekuppeln stehen diese beiden Namen nebeneinander. Das kurze muslimische Glaubensbekenntnis beschreibt dieses Miteinander: «Ich bezeuge, dass es keine Gottheit ausser Allah gibt, und dass Muhammad der Gesandte Allahs ist.»

Die Berufung Muhammads zum Verkündiger Allahs

Über Muhammads Leben gibt es nur muslimische Darstellungen, die ca. 150 Jahre nach seinem Tod verbreitet wurden. Demnach wuchs er im arabischen Heidentum seiner Heimatstadt Mekka auf. Vermutlich war er ein Gottsucher und kam unter dem Einfluss von Juden, Christen und arabischen Gottgläubigen zu der Erkenntnis, dass der arabische Hochgott Allah der einzige Gott ist, der Schöpfer von Himmel und Erde. Nach der muslimischen Tradition erlebte er um das Jahr 610 n. Chr. eine Berufung zum Verkündiger Allahs und zu dessen ‘Gesandten’ an die Araber. Muhammad glaubte, dass ein Engel ihm Allahs Botschaft vorsage. Er hatte allerdings nie Mithörer; insofern hängt die Glaubwürdigkeit des Islam allein an Muhammad. Muslime lehnen es im Allgemeinen ab, Muhammads Verkündigung kritisch zu hinterfragen. Es ist für sie unvorstellbar, dass Muhammad von Juden und Christen beeinflusst worden sein könnte.

Muhammad begann, seine Landsleute aufzufordern, dem Götzendienst abzusagen und nur noch Allah zu verehren. Muhammad fand Anhänger und sammelte eine Gemeinde um sich. Die Führer Mekkas lehnten den neuen Glauben allerdings ab und bekämpften die Muslime. Diese folgten im Jahr 622 n. Chr. einer Einladung nach Madina und wanderten dorthin aus. Damit beginnt das Jahr 0 der islamischen Zeitrechnung.

Die Wandlung zum kämpferischen Staatsmann

In Madina wandelte sich Muhammad vom religiösen Prediger zum kämpferischen Staatsmann. Es gelang ihm, alle Araber Madinas für den Islam zu gewinnen, die Juden aus der Stadt zu vertreiben bzw. zu töten, Mekka 630 n. Chr. kampflos einzunehmen und bis zu seinem Tod 632 die arabischen Stämme unter dem Islam zu einigen. Alle politischen Massnahmen und gesetzlichen Regelungen legitimierte Muhammad mit angeblichen Offenbarungen. Seine Anhänger lernten diese auswendig und fassten sie nach seinem Tod in einem Buch zusammen, dem Koran.

Der Überlegenheitsanspruch des Islam

Muhammad hatte sich nicht damit begnügt, Gesandter Allahs an die Araber zu sein. Da die Juden und Christen seiner Umgebung ihn nicht als Gesandten Gottes anerkannten, warf Muhammad ihnen Ungehorsam gegenüber Allah vor. Er erklärte Judentum und Christentum für verdorben und den Islam als Korrektur und Überbietung der früheren Religionen. Hier liegt der Ansatz für den Überlegenheitsanspruch des Islam.

Zur Begründung stellte Muhammad die biblische Heilsgeschichte auf den Kopf und erklärte Ismael und seine Nachfahren zu den wahren Erben von Abraham an Stelle von Isaak und seinen Nachfahren. Diese eigenwillige Umdeutung der Geschichte ist die grösste Schwierigkeit in allen Gesprächen zwischen Juden, Christen und Muslimen. Aus christlicher Sicht ist der Islam ‘nachbiblisch’, aus muslimischer Sicht ist er ‘vorbiblisch’.

Das Ziel des Islam

Ziel des Islam wurde es jetzt, erstens alle Menschen für den Islam als ‘die wahre’ Religion zu gewinnen und zweitens, die politische Herrschaft des Islam über die ganze Welt auszubreiten. Religion und politische Ordnung sollten eine Einheit unter dem Gesetz Allahs bilden. Das liess sich zwar nie richtig verwirklichen, blieb und bleibt aber das ideale Ziel überzeugter Muslime.

Die politische Einheit des Islam zerbrach schon bald nach Muhammad. Viele Muslime litten und leiden unter der Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Der moderne ideologische Islam (Islamismus) will die Einheit von Glauben und politischer Ordnung mit allen nur möglichen Mitteln, einschliesslich Gewalt, wieder herstellen. Dieser Einsatz für Allah und Muhammad wird als Djihad bezeichnet.

Religiöse Muslime begnügen sich damit, die Regeln für Gebet, Fasten, Wallfahrt und Armenabgabe zu befolgen. Sie hoffen, dass Allah ihnen im Endgericht die religiöse Bemühung anrechnet, ihnen gnädig ist und sie ins Paradies gelangen lässt.

Tiefe des menschlichen Sündenfalles nicht erkannt

Aus biblischer Sicht ist die Verschmelzung von Glaube und Macht abzulehnen, weil Machtansprüche ein Wesenszug des gegen Gott rebellierenden, sündigen Menschen sind. Offensichtlich erkannte Muhammad nicht die Tiefe des menschlichen Sündenfalles. Der Islam erscheint als eine idealistische Religion, die an der Wirklichkeit der sündigen Menschheit scheitert.

Menschwerdung Jesu unverständlich

Aus christlicher Sicht übernahm Muhammad zwar einige biblische Erkenntnisse, verstand die biblische Botschaft insgesamt aber nicht. Das war wohl auch nicht möglich, da niemand sie ihm – dem Leseunkundigen – vorlas oder genau erklärte. Die Lehren des Islam erscheinen vielmehr als das Ergebnis des Nachdenkens Muhammads über die wenigen ihm zugänglichen religiösen Informationen. Er erkannte zwar, dass Allah ‘über allem’ ist, aber er konnte nicht verstehen, warum sich Gott zu den Menschen herabneigt und in Jesus selbst in die Menschheit eingeht. Muhammad erkannte zwar, dass Allah im Blick auf die Sünden der Menschen nachsichtig ist, aber er verstand nicht, warum zur Vergebung menschlicher Schuld Sühne notwendig ist.

Erneuerung des Menschen bleibt fremd

Muhammad verstand also weder die Menschwerdung des Erlösers noch seinen Sühnetod am Kreuz. Deshalb blieb ihm die Auferweckung von Jesus ebenso fremd wie die Erneuerung von Menschen durch den Geist Gottes. Muhammad hatte ein menschliches Gottesverständnis, erkannte aber den lebendigen Gott nicht, der als der allmächtige Vater ‘Gott über den Menschen’ ist, als Jesus Christus ‘Gott für die Menschen’ und als der Heilige Geist ‘Gott in den Menschen’.

Herausforderung an Christen

Der Islam widerspricht im Kern dem Zeugnis der Bibel. Überblicken wir die Kirchengeschichte, so ist er die stärkste antibiblische Macht und der grösste Herausforderer der Christenheit. Warum hat Gott ihn zugelassen? Will er durch diese «Zuchtrute» (Martin Luther) die Christenheit zurückrufen zum vollen Vertrauen in Jesus Christus und sein rettendes Evangelium? Offensichtlich hat die christliche Gemeinde den Muslimen nur dann eine ‘gute Botschaft’ zu verkündigen, wenn sie selbst zu Jesus Christus zurückkehrt. Beides ist in Europa dringend nötig.


 Dieser Artikel erschien im Chrischona-Panorama 6-2007 auf Seite 6