Liebe Leserin, lieber Leser
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| Dr. Markus Müller, Direktor |
Christen sind Menschen, durch die Orte der Hoffnung, der Wahrheit und der Barmherzigkeit geschaffen und gepflegt werden. Es ist ein Riesenvorrecht, dabei sein zu dürfen, wenn Gott dies schenkt. Werfen wir einen Blick auf uns selber, merken wir allerdings oft schnell, dass unsere besten Absichten durchkreuzt, gebremst oder gar verhindert und blockiert werden. Es ist interessant, mal genauer hinzuschauen, was uns bremst und hindert.
Ich bin immer stärker davon überzeugt, dass es vor allem vier Faktoren gibt, die uns in der Hoffnung, in der Wahrhaftigkeit und im barmherzigen Handeln lähmen:
- Die
zunehmende Geschwindigkeit gekoppelt mit einer laufend zunehmenden Komplexität unserer postmodernen Welt. Sie führt nicht selten zur Resignation oder gar zum seelischen Ausbrennen und Aussteigen.
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Kräfte, die uns zerstreuen und auseinanderbringen. Das erleben wir in unseren Ehen und Familien, in unseren Gemeinden und nicht zuletzt auch in unserem Werk: das Auseinandergehen ist leichter als das Zusammenfinden.
- Erfahrungen, dass wir scheinbar nicht haben, was uns glücklich macht. Beispiele:
Mangel an Zeit und Geld, Mangel an Glaubens- und Liebesfähigkeit, Mangel an Wahrhaftigkeit und Geradlinigkeit, Mangel an Bindungsfähigkeit und Verbindlichkeit, Mangel an Integrationsfähigkeit, Mangel an Durchblick und Grosszügigkeit und Mangel an Geduld.
- Die persönliche und gesellschaftliche Unsicherheit angesichts des
unübersehbaren Erstarkens des Islam in unserem sogenannten christlichen Abendland. Nachdem uns 300 Jahre die zunehmende Säkularisierung beunruhigt hat mit ihren Schlagworten «Wir brauchen Gott nicht. Es geht besser ohne Gott»,, beunruhigt uns nun plötzlich das massive Erstarken einer uns fremd erscheinenden Religion.
Was fällt bei allen vier Bereichen auf? Keiner der Bereiche ist in sich von vornherein schlecht. Wir sind froh, dass heute die Züge schneller fahren als vor 100 Jahren. Auch sind wir für die Wahlvielfalt in unserer Lebensgestaltung dankbar. Auch gibt es heute viele Menschen, die lieber Verzicht üben, als dem Trugschluss zu unterliegen, dass man nur glücklich ist, wenn man alles hat. Meine Schlussfolgerung: Nicht eine Sache an sich ist schlecht, sondern das Mass und die Art, wie wir einer bestimmten Sache Raum geben und wie wir damit umgehen. Ehrlich gesagt: Der Islam macht mir gelegentlich auch Angst. Wenn ich beispielsweise versuche zu verstehen, unter welchen Lebensumständen und in welchen Lebensphasen Mohammeds der Koran entstanden ist, und wie heute gerade in Europa oft ziemlich naiv und ohne Berücksichtigung dieser Umstände einzelne Abschnitte aus dem Koran zitiert werden, wird es mir ungemütlich. Sicher: Im Praktizieren unseres Glaubens haben wir als Christen keinen Grund, auf andere abfällig herabzuschauen. Das genaue Hinschauen auf das, was heute rund um den Islam passiert, ist jedoch Gebot der Stunde. Nicht zuletzt deshalb, weil uns der Islam in Europa auch zur gesunden Herausforderung werden kann.
Ich wünsche Ihnen viel Interesse, ja geradezu Leidenschaft, sich mit der Thematik des Islams – auch mit Hilfe dieser Panorama-Ausgabe – zu beschäftigen. Ich halte es für unabdingbar.
Dr. Markus Müller
Direktor