ARTHUR W. PINK
Wer lenkt die Geschicke dieser Welt? Welchen Eindruck gewinnen Weltmenschen, wenn sie gelegentlich einen Gottesdienst besuchen? Welche Vorstellungen formen sich selbst in jenen, die solchen Predigern zuhören, die noch als ‘rechtgläubig’ gelten? Werden sie nicht denken, dass der Gott, an den die Christen glauben, ein enttäuschter Gott ist?
Muss nicht aus dem, was von dem durchschnittlichen Evangelisten heutzutage zu hören ist, der Schluss gezogen werden, dass er sich als Botschafter eines Gottes versteht, der voll der wohlwollendsten Absichten ist, sie jedoch nicht auszuführen vermag; dass Gott das dringende Verlangen hat, die Menschen zu segnen, dass diese es ihm jedoch nicht gestatten? Muss nicht der durchschnittliche Zuhörer weiter folgern, dass der Teufel die Oberhand gewonnen hat, und dass Gott eher zu bedauern als zu verehren ist?
Sehen oder glauben?
Lieber Leser, sind Deine Gedanken über diese Welt und über Gottes Beziehung zu ihr auf das gegründet, was Du siehst? Ach, in Wirklichkeit wandeln wir nur sehr wenig ‘im Glauben’. Doch was bedeutet, ‘im Glauben wandeln’? Es bedeutet, dass unsere Gedanken, unsere Handlungen, unser Leben durch die Heilige Schrift gebildet, gelenkt und geformt werden, denn es «kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi» (Römer 10,17). Aus dem Wort der Wahrheit – und aus ihm allein – können wir lernen, in welcher Beziehung Gott zu dieser Welt steht.
Geringschätzung Gottes
Wer lenkt heute die Geschicke auf dieser Welt? Die Heilige Schrift hat das, was wir heute sehen und hören, vorhergesagt. Die Prophezeiung des Judas erfüllt sich vor unseren Augen: «Ebenso sind auch diese Träumer, die ihr Fleisch beflecken, jede Herrschaft verachten und die himmlischen Mächte lästern» (Judas 8). Ja, sie lästern die allerhöchste Macht, den alleinigen Herrscher, den König aller Könige und Herrn aller Herren. Unser Zeitalter ist in besonderer Weise ein Zeitalter der Ehrfurchtslosigkeit; das hat zur Folge, dass der Geist der Gesetzlosigkeit, der keine Zurückhaltung duldet und begierig alles abwerfen möchte, was dem freien Lauf des Eigenwillens im Wege steht, die Erde gleich einer gigantischen Flutwelle verschlingt. Deshalb brauchen wir angesichts der zunehmenden Geringschätzung menschlicher Gesetze und der Verweigerung, «Ehre zu geben, wem Ehre gebührt», nicht überrascht zu sein, dass die Anerkennung der Hoheit, Vollmacht und Souveränität des allmächtigen Gesetzgebers mehr und mehr zurückgeht.
Festhalten am Unsichtbaren
Wahrer Glaube befasst sich immer mit Gott, und das unterscheidet ihn von intellektueller Theologie. Glaube erduldet, weil er «festhält an dem Unsichtbaren, als sähe er ihn» (Hebr. 11,27); er erduldet die Enttäuschungen, die Härten, die Traurigkeiten des Lebens, weil er erkennt, dass alles von der Hand dessen kommt, der zu weise ist, um zu irren, und zu liebevoll, um rücksichtslos zu sein. Hier liegt der grundlegende Unterschied zwischen dem Mann des Glaubens und dem Mann des Unglaubens. Der Ungläubige ist «von der Welt», beurteilt alles nach menschlichen Massstäben, sieht das Leben vom Standpunkt der Zeit und der Sinne und wägt alles auf der Waage seiner fleischlichen Vernunft. Aber der Mensch des Glaubens bringt Gott mit in die Rechnung, betrachtet alles von dessem Standpunkt, schätzt die Werte nach geistlichen Massstäben ein und sieht das Leben im Licht der Ewigkeit. Indem er das tut, empfängt er alles, was ihm widerfährt, aus Gottes Hand. Indem er das tut, ist er fröhlich in Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.
| Dieser Artikel erschien im aktuellen Chrischona-Panorama 04-2008 auf Seite 10-11 |