Thema: Was prägt unser Denken und Handeln?

Wort des Direktors

#42724

Liebe Leserin, lieber Leser

Dr. Markus Müller, Direktor
Unübertrefflich spannend: Wovon ist unser Denken und Handeln geprägt? Zweifelsohne gibt es ungewollte und unreflektierte Leitinstanzen, die uns im Denken und Handeln steuern. Es scheint, dass wir nicht so frei sind wie wir das meist denken oder uns wünschen. Eigene Biographie, Erwartungen anderer Menschen und unbewusste Denk- und Handlungsgewohnheiten haben Macht, und zwar in der Regel mehr als uns lieb ist.
Die Grundüberzeugung ist einleuchtend, dass jener Mensch mündig ist, der für seine bisher nicht reflektierten Denk- und Handlungsmuster Verantwortung übernimmt. Dumm einfach, dass wir so wenig Einblick in solche Steuerungsinstanzen unseres Denkens und Handelns haben und so wenig Übung darin besitzen, solche Instanzen zu befragen und zu verändern. Wie folgenreich dies ist, merken wir in der Begegnung mit Menschen aus andern Hintergründen und Menschen aus andern Kulturen, wie zum Beispiel der andern Generation, des andern politischen oder theologischen Lagers und dem Ausland. Es ist dann immer ‘der Andere’, der komisch, eigenartig, befremdend und irritierend ist. Die Frage liegt auf der Hand: Wieso nicht auch mal von der Annahme ausgehen, dass unser eigenes Denken und Handeln komisch, eigenartig, befremdend und irritierend ist.

Biblisch liegt letzteres durchaus im Bereich des Möglichen. In Eph. 4,14ff. nimmt Paulus kein Blatt vor den Mund, wenn er im Hinblick auf Christen schreibt: «[...] damit wir nicht mehr unmündig seien und uns von jedem Wind einer Lehre bewegen und umhertreiben lassen.» So würden sich nämlich die Heiden in ihrem verfinsterten Denken verhalten. In Röm. 11,36-12,2 leuchtet das gleiche Anliegen auf: Gott sei die Ehre / Stellt Euch nicht dem Schema dieser Welt gleich / Erneuert euer Denken! Nur so ist Ethik möglich: Nach der ‘Logik’ des erneuerten Sinnens und Trachtens. In 1.Kor. 1 warnt Paulus, dass durch krumme Denkgewohnheiten nicht etwa das Kreuz Christi entmachtet werde (V.17). In 14,20 fordert er uns auf: «Im Denken werdet vollkommen!»

Wo lauern Gefahren solch schwieriger, scheinbar auch bei Christen vorhandenen heidnischen Denk- und Handlungsgewohnheiten? Sicher: Keiner von uns hat sein Denken ‘im Griff’. Wir alle sind in Gefahr, heidnischem Denken auf den Leim zu gehen. Einige nicht hilfreiche Tendenzen, die mir immer mal wieder – leider auch bei mir – auffallen: Kritik und Skepsis statt Vertrauen. Oder: Glaube als Privatsache statt als öffentliche Angelegenheit. Und: Blick auf das Problem statt auf die Verheissung. Nicht zuletzt: Primäre Orientierung am Ich statt am Du, am Recht-Haben statt an der freimachenden Wahrheit, am Wissen statt an der Liebestat. Wo immer Prägungen vorliegen, die nicht dem Evangelium entsprechen, gilt: Erneuert Euer Denken! Mögen wir es dem Wort Gottes und dem Heiligen Geist erlauben, uns zu korrigieren.

In eigener Sache: Mit Bedauern teilen wir mit, dass die Medienbeauftragte Beate Gsell auf Anfang Juni eine neue berufliche Herausforderung angenommen hat. Als Chefredaktorin von ‘Chrischona-Panorama’ trug sie wesentlich zum Aufbau und der Gestaltung der Zeitschrift bei. Wir danken ihr sehr herzlich und freuen uns, dass ihre Aufgabe von Michael Gross übernommen wird.


Dr. Markus Müller
Direktor