Von aussen lässt das ehemalige Möbelhaus in Linkenheim bei Karlsruhe nicht vermuten, dass sich Besuchern im Innern ein Festival der Sinne eröffnet. Jeweils in der Oster- und Weihnachtszeit können sie hier im ‘Sinnenpark’ ein Stück Orient erleben. Wie durch eine Zeitmaschine fühlen sie sich zurückversetzt in die Zeit Jesu. Sie begegnen Menschen, die sie in ihre ‘Welt’ hineinführen und ‘lesen’ die Bibel, indem sie die Geschichten erleben.
Ein ‘Bewohner aus Nazareth’ empfängt in der Adventszeit den Besucher und zeigt ihm seine Heimatstadt. Doch die Reise verläuft nicht reibungslos: an der Zollstation machen die Mitreisenden unangenehme Erfahrungen mit der römischen Besatzungsmacht. Danach erleben sie das Flair eines orientalischen Basars und können sich aktiv an den Ständen als Händler und Käufer beteiligen. In Hörszenen kommen bei der ‘Lebendigen Krippe’ auch die junge Maria und ein Hirte auf den Weiden vor Bethlehem zu Wort. Auf dem Feld unter klarem Sternenhimmel erfahren die Besucher am Lagerfeuer, wie es den Hirten damals ergangen ist und was in der ganz besonderen Nacht geschah. Am Ende dürfen sie an der Krippe noch ein ‘Geschenk’ ablegen.
‘Bibel erleben’ lautet das Motto der Initiative der Badischen Landeskirche, die Annette und Lutz Barth im Jahr 2000 ins Leben riefen. «Wir wollen die Kerninhalte des christlichen Glaubens durch inszenierte Räume lebendig und mit allen Sinne erfahrbar anbieten. Uns ist die ganzheitliche Wahrnehmung der biblischen Botschaft wichtig.» Durchschnittlich bringen sich 130 ehrenamtliche Helfer aus verschiedenen Gemeinden jedes Jahr im Sinnenpark ein. Sie helfen bei der Planung, beim Auf- und Abbau, führen die Besucher durch die einzelnen Stationen und kleiden sich auch gern in Kostüme der damaligen Zeit. «Als wenn man damals dabei gewesen wäre», beschreibt Lutz Barth die Reaktionen der meisten Besucher. Ganze Schulklassen melden sich an, Gemeinden und Familien machen einen Tagesausflug.
Weil das Angebot, biblische Geschichte zu erleben, nicht nur Christen interessiert, fand der ‘Ostergarten’ in den Jahren 2005 und 2006 sogar in Deutschlands grösstem Freizeitpark, dem Europa-Park in Rust, statt. ‘Treffpunkt Jerusalem’ lautete das für den Europa-Park konzipierte Angebot. Neben Achterbahnen und Showprogramm erlebten rund 30.000 Europa-Park-Besucher auch biblische Geschichten.
Bei einem Projekt wie dem ‘Sinnenpark Ostergarten’ kann man sicher sein, dass die Medien Interesse zeigen. So auch in Linkenheim: mehrere Fernsehsender berichteten über das Projekt, in SWR 4 wurde sogar eine einstündige Live-Sendung ausgestrahlt. Säkulare und christliche Presseagenturen, Zeitungen und Zeitschriften veröffentlichten Berichte.
Inzwischen haben mehr als 84.000 Besucher den Sinnenpark erlebt und kopierten die Idee – natürlich mit wohlwollender Zustimmung von Ehepaar Barth. «Hunderttausende können mit dieser Form der Verkündigung erreicht werden. Menschen, die dem Glauben distanziert gegenüber stehen, lassen sich zu solch einer Zeitreise gern einladen.» In der Schweiz plant der Bibellesebund, ein Sinnorama einzurichten, Anfragen gibt es auch aus dem Ausland, wie zum Beispiel aus England, Norwegen, Estland, Griechenland und Ungarn.
Wer den Ostergarten oder Teile davon in der eigenen Gemeinde aufbauen möchte, kann eine DVD bestellen und so einen Eindruck bekommen. Für die Gestaltung der einzelnen Stationen gibt es Bilder, die hilfreiche Details liefern. Ausserdem enthält eine CD-ROM Anweisungen für die Gruppenbegleiter, ‘Könige’ und Assistenten sowie Checklisten zum Anpassen an die eigene Situation. Im Ostergarten-Handbuch sind neben der aufwändigen Version auch einfachere Gestaltungsmöglichkeiten beschrieben, die sich schnell umsetzen lassen. Auf einer Audio-CD befinden sich Hörszenen in verschiedenen Längen. Auch an die Werbung ist gedacht: es gibt Vorlagen für Handzettel und Plakate.
Als landeskirchliche Initiative war die Ausstellung zeitlich begrenzt. Auch gibt es zurzeit keine Finanzierung über August 2008 hinaus. Wenn die Projektphase im Sommer zu Ende geht und das Möbelhaus verkauft wird, wünscht sich Lutz Barth eine dauerhafte Lösung. Im April wird eine Entscheidung für die Vertiefung und Verbreitung der Sinnenarbeit getroffen. Per Newsletter und Homepage informiert Ehepaar Barth über die zukünftige Entwicklung. Man darf gespannt sein.
| Dieser Artikel erschien im aktuellen Chrischona-Panorama 03-2008 auf Seite 10-11 |