Thema: Die Bibel verstehen und vermitteln

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Gott formt den Menschen durch sein Wort

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Beate Gsell

Gottesdienst, Bibelstunde und Hauskreis sind wertvolle Bausteine, um Gemeinde zu ‘bauen’. Dennoch dringt die biblische Botschaft oftmals nicht richtig durch: die traditionelle Bibelstunde erscheint vor allem der jungen Generation nicht attraktiv, in Hauskreisen nehmen hin und wieder persönliche Anliegen breiten Raum ein, so dass für das Bibellesen wenig Zeit bleibt, und die Predigt im Gottesdienst ist zu kurz, um ein gutes Fundament in Bibelkunde legen zu können. Aber: So muss es nicht bleiben. Unsere Chrischona-Gemeinden sind eine Fundgrube an innovativen Ideen, wie die biblische Lehre vermittelt werden kann. Wir stellen einige Projekte vor.

‘In einem Jahr durch die Bibel’

Voller Begeisterung stellt Prediger Gerald Wieser fest, dass für ein Teenager die Aktion ‘In einem Jahr durch die Bibel’ besonders wertvoll war. «Geistlich gesehen war es ein sehr gutes Jahr für sie.» 2005 hatte Gerald Wieser seine damaligen Gemeinden in Butzbach und Gambach dazu aufgerufen, bis zum Jahresende die ganze Bibel durchzulesen. Als Belohnung stellte er eine Einladung zu einem Pizza-Essen in Aussicht. Sage und schreibe 15 Gäste sassen nach der Aktion am Tisch von Gastgeber Gerald Wieser und liessen sich die Pizza schmecken. Beim Essen haben sie sich über ihre Erfahrungen ausgetauscht.
Gerald Wieser ist vom konsequenten Lesen der Bibel von A bis Z überzeugt. Er selber hat die Bibel schon ein paar Mal durchgelesen. Er erstellte sich eine Liste mit den Kapiteln (s. www.stadtmission-schotten.de) und macht nach der Lektüre jeweils ein Häkchen. «Wenn man täglich 20 Minuten liest, schafft man die gesamte Bibel in acht Monaten», sagt er aus Erfahrung. Warum ihm das so wichtig ist: «Gottes Wort hat Kraft.»
Kontakt: gerald.wieser@chrischona.org

Bibelseminar ‘Gottes Spuren entdecken!’

Gleich drei Ziele verfolgt Lukas Rutschmann aus Sursee mit dem Bibelseminar ‘Gottes Spuren entdecken!’: Zum einen soll der Teilnehmer lernen, selbständig mit der Bibel umgehen zu können, zum anderen dienen die Unterlagen als Nachschlagewerk zum Beispiel für den persönlichen Gebrauch oder den Hauskreis, und das dritte Ziel ist, Verantwortung in Lehre und Evangelisation übernehmen zu können. Lukas Rutschmann ist in einer theologischen Zeitschrift auf dieses Seminar gestossen. Sofort schoss es ihm durch den Kopf: «Genau dieses Instrument brauchen wir!» Mit einem Team aus seiner Gemeinde fuhr er nach Norddeutschland zu Pfarrer Dr. Hermann Mahnke, um sich ausbilden zu lassen. Jetzt ist Lukas Rutschmann die Anlaufstelle für das Seminar in der Schweiz. Ein Kursleiter-Training hat im September vergangenen Jahres stattgefunden; die Teilnehmer sind nun Multiplikatoren dieser Idee. Daraus sind nun weitere Bibelseminare in Zug und Sissach entstanden.
In seiner eigenen Gemeinde hat Lukas Rutschmann im Juni 2006 ein Pilotprojekt gestartet. Auf Anhieb meldeten sich 30 Personen an, die sich in zwei Gruppen aufteilten. Die ‘Entdeckungstour’ durch das Alte und Neue Testament dauert zweieinhalb Jahre. Lukas Rutschmann und seine Mitarbeiter treffen sich mit den Gruppen jede zweite Woche. Der Teilnehmer kommt vorbereitet zum Treffen und stellt gezielt Fragen. Der Leiter geht darauf ein und bietet Literatur an. Der Teilnehmer wird angeleitet seine Fragen mit Fachbüchern selbständig zu beantworten. Bei jedem Treffen vertieft der Leiter für zirka eine halbe Stunde einen Aspekt in einem Referat. Nach einer Kaffeepause steht die Anwendung im Mittelpunkt. In einem Gruppengespräch werden weitere Fragen geklärt und Erfahrungen ausgetauscht.
«Die Bibel ist kein Buch mit sieben Siegeln», betont Lukas Rutschmann. «Ich stimme der Behauptung nicht zu, dass sich die Menschen nicht für die Bibel interessieren. Ich stelle eher fest, dass es kein Interesse an kirchlichen Institutionen gibt. Das Seminar ist eine Chance, in der Gemeinschaft zu lernen, die Bibel zu verstehen.»
Kontakt: lukas.rutschmann@chrischona.ch

Gemeinde-Bibelschule

Jürgen Schramm aus Neunkirchen bietet einmal im Monat eine Bibelschule in der Chrischona-Gemeinde an. Der Unterricht findet sowohl am Nachmittag als auch am Abend statt, um möglichst jedem die Gelegenheit zur Teilnahme zu geben. Jede Person erhält schriftliche Unterlagen, so dass auch später noch nachgeschlagen werden kann. Der Ablauf ist je nach Thema unterschiedlich. Es werden Bibelstellen gelesen, Fragen geklärt und Erläuterungen zum Beispiel im Rahmen eines Referats gegeben. Jürgen Schramm greift Themen wie ‘Scheidung und Wiederheirat’ und ‘Sexualität’ auf oder stellt verschiedene Modelle zur Endzeit dar. Das Thema ‘Kommunikation’ wird der Prediger etwas ausführlicher als andere Themen behandeln. Er will ein fünfteiliges Seminar mit praktischen Übungen anbieten.
Die Resonanz der Teilnehmer hängt nach Ansicht von Jürgen Schramm vom Thema ab. Die Gemeindeglieder wählen aus und kommen jeweils zu dem Thema, das sie interessiert. Jürgen Schramm ist zu dieser Art Lehrvermittlung motiviert und äussert: «Es ist wichtig, sich in der Bibel auszukennen. Die Umsetzung des Gehörten findet im täglichen Leben statt.»
Kontakt: juergen.schramm@chrischona.org

Bibelwerkstatt

Ein Blick auf den Wohnzimmertisch verrät, dass hier irgendetwas mit vielen Büchern geschieht. Neben den Schreibblöcken der Teilnehmer der ‘Bibelwerkstatt’ liegen Studienbibeln, Bibelübersetzungen, Erläuterungen zum Grundtext, Konkordanz, Wörterbücher, Kommentare, Bibellexika und ein Bibelatlas gestapelt auf dem Tisch. Einmal in der Woche trifft sich eine Kleingruppe der Chrischona-Gemeinde Liestal bei einem Ehepaar zu Hause und befasst sich über einen längeren Zeitraum mit einem biblischen Buch aus dem Alten oder Neuen Testament. Eine Vorbereitung zu diesem Treffen ist nicht nötig. Die Teilnehmer kommen zusammen, lesen einen Abschnitt aus der Bibel und stellen sich dabei die Fragen: Was verstehe ich hier nicht? Mit welchem Aspekt des Textes möchte ich mich in den nächsten 45 Minuten beschäftigen? Anschliessend wird es im Raum ruhig, man hört nur noch Blätterrascheln, das leise Kritzeln des Kugelschreibers oder ein Kratzen am Kopf. Ab und zu entweicht auch jemandem ein «Ah». Jeder Teilnehmer macht sich selbständig auf die Suche nach der Antwort seiner Frage und greift dabei mal zu diesem, mal zu jenem Buch. Das Besondere ist, dass der Christ lernt, seine Fragen selber zu beantworten. In einer anschliessenden Austauschrunde fasst jeder in ein paar Sätzen zusammen, was er herausgefunden hat und spitzt zu, was ihm wichtig wurde. Nach Möglichkeit formuliert der Bibelwerkstatt’ler auch einen Satz, der ihn in der nächsten Woche begleitet. Denn nur Lesen und Studieren ist zu wenig: ein Aspekt des Textes soll im Leben Anwendung finden.
Kontakt: fgsell@vtxmail.ch

 

Dieser Artikel erschien im Chrischona-Panorama 3-2008 auf den Seiten 8-9