BEATE GSELLOb im Krankenhaus, im Schulzimmer oder im Amtszimmer: Christen haben Möglichkeiten, ihren Glauben zu bezeugen. Wir fragten drei Personen, wie sie sich als Christ am Arbeitsplatz verhalten.  |
| Werner Wiedemann ist als Fachkrankenpfleger im OP tätig. |
«Ich putze den Mitarbeiter nicht runter»
Werner Wiedemann wohnt in Eichstetten (Deutschland) und arbeitet als Fachkrankenpfleger im OP.
Am Umgang mit meinen Mitarbeitern zeigt sich, dass ich Christ bin. Wenn ich eine Rüge erteilen muss, putze ich die Person nicht runter, sondern versuche in sachlichem Ton die Angelegenheit zu klären. Wenn etwas schief gelaufen ist, stehe ich dazu; ich will nicht lügen. Ab und zu ergeben sich Gelegenheiten, etwas über den Glauben zu sagen. So habe ich zum Beispiel bei einer Mitarbeiterfeier ein christliches Lied gesungen. Ich erläuterte auch die Aussagen des Liedes und bekannte, dass ich an Jesus Christus glaube. Weihnachten ist eine gute Gelegenheit, mit einer christlichen Spruchkarte Bibelworte weiterzugeben. Meinem Chef gebe ich zum Beispiel eine solche Karte.
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| Peter Widmer unterrichtet als Reallehrer Schüler zwischen 13 und 17 Jahren. |
«Ich beziehe pointiert Stellung»
Peter Widmer ist Reallehrer in Schaffhausen (Schweiz) und unterrichtet Schüler zwischen 13 und 17 Jahren in Deutsch, Mathematik, Informatik, Werken und Berufskunde:
«Für mich ist es keine Frage: Wenn ich Christ bin, soll auch meine Arbeit durch mein Christsein geprägt sein. Ich möchte mit meinem ganzen Menschsein im Unterricht wahrgenommen werden. Ich muss als Lehrer eine gute Berufsqualifikation haben, damit mein Christsein glaubhaft rüberkommt. Ich kann mir nicht vorstellen, als Christ fromme Sprüche zu klopfen und einen miserablen Unterricht zu geben.
Wenn ich eine neue Klasse übernehme, stelle ich mich beim ersten Elternabend den Eltern vor und gebe Einblick, was mir als Mensch im Leben wichtig ist. Dazu gehört auch, dass ich christliche Werte vertrete. Ich habe noch nie erlebt, dass Eltern daran Anstoss genommen haben. Ganz im Gegenteil: wenn die Kinder die Schule verlassen, schreiben mir manchmal Eltern. Dann drücken sie ihre Dankbarkeit aus, dass ich mehr als nur Unterricht erteilt habe. Ich hätte ihren Kindern Wegweisungen für das Leben mitgegeben. Sogar ein Vater mit moslemischem Glaubenshintergrund hat sich einmal positiv geäussert: er habe zum ersten Mal einen Lehrer kennen gelernt, der auch zu seinem christlichen Glauben stehe. Im Fach Lebenskunde wird über so vieles gesprochen; auch Islam und Buddhismus sind dabei Unterrichtsthema. Da nehme ich mir die Freiheit, auch über meinen Glauben zu sprechen.
Bei Kollegen habe ich erlebt, dass falsche Klischeevorstellungen durch Christen aufgebrochen werden konnten. Auch ich selbst werde oft bewusst nach meiner Meinung als Christ gefragt. Ich beziehe dann pointiert Stellung, wie zum Beispiel beim Thema Drogen oder zum Umgang mit dem anderen Geschlecht. In auswegslosen Situationen bei der Berufswahl stehe ich mit Rat und Tat bei; auch begleite ich meine Schüler in ihrer Verlorenheit in dieser Gesellschaft. Dies kann so weit gehen, dass ich einem Schüler sage: ‘Versuch es mit Beten.’ Wenn mich die Schüler länger kennen, nehmen sie den Rat an. Das ist eine Frage des Vertrauens.»
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| Diplomfinanzwirtin Christine Jensen arbeitet im Finanzamt. |
«Es ist Vertrauen gewachsen»
Die Diplomfinanzwirtin Christine Jensen arbeitet im Finanzamt Giessen und ist für die Bearbeitung von Einsprüchen zuständig.
«Ich versuche, am Telefon freundlich und entgegenkommend zu sein, aber eine andere Person ohne christlichen Hintergrund macht das wahrscheinlich genauso. Wo liegt also der Unterschied zwischen mir und einem Menschen, der nicht an Jesus Christus glaubt? Man muss wissen, dass ich in meinem Arbeitsgebiet an klare Gesetzesvorgaben und Verwaltungsanweisungen gebunden bin und der Ermessensspielraum, um eine so genannte ‘christliche Tat’ gegenüber den Steuerpflichtigen zu tun, sehr gering ist. Ich lebe mein Christsein somit stärker im Umgang mit den Kollegen. Ich versuche in entsprechenden Lebenssituationen auf gute christliche Bücher hinzuweisen. Ich gebe Predigten weiter, wenn diese genau in die Situation passen. Ich ermutige Menschen, mal eine Gemeinde vor Ort zu besuchen. Mein Glaube an Jesus Christus bleibt somit nicht verborgen. Ich merke, wie das Vertrauen in meine Person immer mehr wächst. Dass ich meine Privatgespräche per Telefon auch privat abrechne, ist vielleicht nichts Besonderes, weil ich davon ausgehe, kein Einzelfall unter 780 Bediensteten in Giessen zu sein.»
| Dieser Artikel erschien im Chrischona-Panorama Ausgabe 2/2008 auf Seiten 9 |