GÜNTHER KRESS
Im Alter zu den Kindern ziehen? Oder doch lieber in eine Seniorenwohngemeinschaft, eine Einrichtung mit betreutem Wohnen oder ein Pflegeheim? Die Beantwortung der folgenden Fragen kann Ihnen bei Ihrer Entscheidung helfen.
Wie war Ihre Beziehung zu den Kindern bislang? Ungetrübt oder durch (schwerwiegende) Konflikte belastet? Konnten Sie offen über Probleme reden und Lösungen dafür finden? Was ist noch nicht ausgeräumt bzw. versöhnt?
Ist in der Wohnung der Kinder ausreichend Platz vorhanden? Hat jedes Familienmitglied seine Privatsphäre? Sind bei behinderungsbedingtem Bedarf Umbauten möglich?
Wie ist das familiäre Lebensumfeld der Kinder? Können Sie sich auf den Lebensrhythmus und die Regeln in der Familie Ihres Sohnes/Ihrer Tochter einstellen? Haben Ihre Kinder Zeit und Ressourcen, auch dann für Sie zu sorgen, wenn Ihre Pflegebedürftigkeit zunimmt?
Unter welchen Umständen würden Sie das Zusammenleben mit ihren Kindern/Schwiegerkindern nicht wollen oder fortführen?
TIPPS
für das Zusammenleben von Senioren mit Ihren Kindern
Für die Eltern:
«Früher waren wir für Euch da, nun seid ihr an der Reihe!» Verabschieden Sie sich von solchen Aussagen. Kinder können Eltern niemals zurückzahlen, was diese zeitlebens für sie geleistet haben. Erwarten Sie Respekt, Rücksichtnahme, Verständnis – mehr nicht! Vorhaltungen und Anspruchserwartungen belasten nur das Zusammenleben. Mischen Sie sich nicht in das Privatleben Ihrer Kinder ein. Wenn Sie in Ihre ehemalige Erziehungsrolle zurückfallen, beschwören Sie ein unabsehbares Konfliktfeld herauf und schaden sich selbst. Akzeptieren Sie eigene Einschränkungen, Hilfe und Kritik: Ihre Kindern wollen nicht bevormunden, wenn Sie z.B. auf Körperhygiene oder Sauberkeit in der Wohnung hinweisen. Setzen Sie es sich zum Ziel, Ihre Kinder in der Betreuung und Pflege zu entlasten. Pflegen Sie Kontakte zu anderen Senioren, nutzen Sie professionelle Angebote, z.B. Essen auf Rädern, Fahrdienst, und akzeptieren Sie, wenn Ihre Kinder auch ohne Sie in Urlaub fahren wollen…
Für die Kinder:
Die Welt sieht für einen älteren Menschen anders aus, als für Sie selbst. Ihr Miteinander gewinnt, wenn Sie sich bewusst machen: hinter Ungeduld und schlechter Laune Ihrer Eltern stecken oft Erfahrungen der Hilflosigkeit und Gefühle von Trauer und Verzweiflung über den Rückgang eigener Fähigkeiten und Lebensbewältigungsmöglichkeiten. Drängen Sie Ihren Eltern keine Entscheidungen auf. Sie brauchen Zeit, um in Ruhe über anstehende Entscheidungen nachzudenken: einen neuen Mantel, eine Putzfrau, die Anschaffung eines Notrufsystems, den Umzug in ein neues Zuhause… Entmündigen Sie ihre Eltern nicht durch Überpflege. Stellen Sie Informationen zur Verfügung, und beraten Sie. Solange Eltern aber nicht durch Senilität, Alzheimer oder Demenz in ihrer Urteils- und Handlungsfähigkeit eingeschränkt sind, müssen sie Entscheidungen über ihr Leben selber treffen können. Lösen Sie sich von dem Anspruch, stets ‘ein gutes Kind’ zu sein. Sie können nicht rund um die Uhr für Ihre Eltern da sein. Achten Sie auf eigene Belastungsgrenzen, nutzen Sie Chancen, um Betreuung und Pflege auch zu delegieren. Nehmen Sie Beratungsangebote von Profis und Selbsthilfegruppen wahr. Sagen Sie lieber Nein zur Pflege, als ein gutes Verhältnis zu den Eltern durch Überforderung zu zerrütten.
Leserfrage
Freuen Sie sich auf Ihr Alter?
Schreiben Sie uns Ihre Meinung, und senden Sie Ihre Zeilen bitte an:
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