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Gottes Berufung für die Generation plus

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DR. HEIKO HÖRNICKE

Freuen Sie sich auf Ihr Alter? Auf diese Frage werden wir sicher sehr unterschiedliche Antworten erhalten. Die einen warten auf den Tag, an dem sie ihren ungeliebten Beruf hinter sich lassen können. Andere erwarten unbegrenzte Ferien mit Reisen und Wohlergehen. Aber es gibt auch Menschen, die nichts kennen als ihren Beruf und deshalb mit Sorge dem Augenblick der Pensionierung entgegensehen. Was kommt dann?

Befragungen haben ergeben, dass in unserer Gesellschaft die Mehrzahl der Menschen negative Vorstellungen vom Alter hat. Ältere gelten als wenig flexibel, krank, pflegebedürftig, vereinsamt und verbittert. Deshalb werden Ältere diskriminiert. Man erwartet von ihnen nichts mehr. Dieses verbreitete Denken verleitet dazu, auch vom eigenen Alter wenig zu erwarten.

Die Wirklichkeit ist ganz anders

Die Menschen, die heute in Ruhestand gehen, sind grösstenteils gesünder, leistungsfähiger und besser ausgebildet als die Generationen vor ihnen. Was an den Altersgenossen der Grosseltern und Eltern beobachtet wird, darf nicht ohne weiteres auf das Leben der Generation plus übertragen werden. Ältere Menschen können ihre Intelligenzleistung verbessern, haben Kenntnisse und Erfahrungen, haben Urteilskraft und Übersicht, sind besonnen, beständig und pflichtbewusst. Lebenserfahrung macht gelassener und hilft, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. In den vergangenen 100 Jahren hat sich die Lebenserwartung in Mitteleuropa verdoppelt. Früher erlebten viele das Rentenalter nicht mehr. Heute können nach dem Beruf oft noch 20 bis 30 Jahre bei guter Gesundheit und zumeist guter finanzieller Versorgung gelebt werden. Das sind kostbare Lebensjahre. Es lohnt sich, sie gut zu planen und zu nutzen. Hierfür gibt uns die Bibel wesentliche Grundlagen.

Biblisches Altersbild: realistisch, positiv, ermutigend

Das biblische Altersbild ist realistisch, aber auch positiv und ermutigend. Das Alter gehört zum Plan Gottes für unser Leben. Ein langes Leben gibt die Chance, vielfältige Erfahrungen zu sammeln und dadurch Reife und Weisheit zu erlangen. Die körperlichen Kräfte nehmen ab, aber der geistliche Wachstumsprozess sollte auch in der zweiten Lebenshälfte stetig fortschreiten. Dann kann Gott besondere Aufträge anvertrauen und die älteren Menschen schliesslich als Vollendete heimholen.

Gottes Verheissungen gelten auch im Alter:

- Auch ältere Menschen sollen ein erfülltes Leben haben.

- Auch im Alter sollen denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.

- Auch im Alter sollen die Menschen Leben und volle Genüge haben. Gott wird allem Mangel abhelfen nach seinem Reichtum an Herrlichkeit.

- Gottes Aufträge bleiben auch im Alter bestehen. Da ist zunächst der Missionsauftrag:  «Macht alle Menschen zu Jüngern und lehrt sie alles halten.» Gott kann die Menschen das ganze Leben lang als seine Boten und Lehrer gebrauchen. Im Alter geschieht es lediglich anders.

- Aber auch das Liebesgebot bleibt: «Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.» Liebe bedeutet hinzubringen, was fehlt. Und da gibt es immer etwas zu geben.

Gerade Ältere haben spezielle Aufträge von Gott. Einer der grössten unausgeschöpften Aktivposten unserer Zeit sind gläubige, fähige Personen, die in ihrem Beruf erfolgreich waren. Sie hätten Zeit, Gaben, Einfluss und Mittel, um sie im Reich Gottes zu investieren, aber die meisten von ihnen tun das nicht. Gott hat jeden mit einer einmaligen Gabenkombination ausgestattet und durch bestimmte, oft schwere Wege zu wichtigen Erfahrungen geführt. Jeder hat eine Berufung – kennen wir sie? Leben wir unsere Berufung?

Wir können durch Weisheit und Erfahrung gute Ratgeber sein. Wer eine positive Einstellung zu seinem Alter gefunden hat, kann anderen helfen, ihr Altwerden zu bejahen. Weil alle Menschen Geschöpfe Gottes sind, haben sie Würde, die unabhängig von ihrer körperlichen und psychischen Situation ist. Das hilft uns, Menschen auch in Demenz und im Sterben Achtung entgegenzubringen. Weil viele in unserer Gesellschaft dies nicht so sehen können, sollten Christen diese Sicht immer wieder mutig vertreten.

Berufen und gesandt

Wer Jesus Christus sein Leben anvertraut hat, hat einen Herrschaftswechsel vollzogen. Bisher wurde das Leben nach eigenen Plänen gestaltet. Jetzt steht es Jesus Christus ganz zur Verfügung. Der dreieinige Gott möchte, dass das Leben bleibende Frucht bringt. Die Gemeinden können immer Mitarbeiter gebrauchen. Wenn bekannt wird, dass jemand frei ist, hat man sicher Aufgaben für ihn. Die Gemeindeglieder sollten aber sorgfältig prüfen, ob dies ihren Gaben entspricht und ob ein Dienst in der Gemeinde überhaupt dran ist. Christen sollten auch in anderen Bereichen unserer Gesellschaft präsent sein.

Daher wäre es gut, nach Ende der Berufstätigkeit zunächst eine Sabbatzeit einzulegen und Rückschau zu halten. Da ist vieles, was es loszulassen gilt und was noch aufzuarbeiten ist. Nur mit einer bereinigten Vergangenheit kann man klar in die Zukunft gehen. Die Generation plus darf aber auch einfach die neue Freiheit geniessen und vieles tun, wozu sie lange nicht gekommen ist. In dieser Zeit kommen neue Gedanken und neue Möglichkeiten in den Blick. Könnte es dran sein, eine Ausbildung zu beginnen? Sollte eine Bibelschule besucht werden? Der Ruhestand gibt Zeit, sich gründlich mit den eigenen Glaubensgrundlagen zu beschäftigen.

Eine Brücke zwischen den Generationen

Die Generation plus ist Hüter der guten Traditionen. Wir erleben einen erschreckenden Traditionsabbruch in der Gesellschaft und in unseren Gemeinden. Die Generation plus sollte Brückengeneration sein zwischen Vorfahren und Nachkommen. Ihr Auftrag ist, kommenden Generationen das Leben und das reiche Erbe zu vermitteln, das Christus gegeben hat. Dies geschieht in erster Linie in den Familien. Es ist eine wichtige Aufgabe besonders für Grosseltern.

Der Anteil älterer Menschen nimmt in der Gesellschaft rasch zu. Hierdurch ergeben sich ganz neue Perspektiven für Gemeinden. Es gilt, die Älteren mehr in die Mitte der Gemeinde zu holen, ihnen Achtung und Wertschätzung zu geben. Unser Denken muss sich verändern. Statt zu fragen, wie wir so viele Alte betreuen und versorgen können, sollten wir darüber nachdenken, wie wir die Fülle von Weisheit, Erfahrung und Anpassungsfähigkeit recht nutzen können. Wir brauchen die Gaben aller Generationen. Nur im Miteinander können unsere  Gemeinden die Herausforderungen der Zukunft bewältigen.

Kreativität und Engagement

Christliche Gemeinden, aber auch die Gesellschaft brauchen die Kreativität und das Engagement der älteren Christen. Es ist gut, wenn die Initiative dabei von den Älteren ausgeht. Sie kennen ihre Gaben und Grenzen. Sie können eigenverantwortlich Aufgaben übernehmen. Als mündige Christen könnten sie lehren und damit helfen, das verbreitete geistliche Analphabetentum zu überwinden. Das allgemeine Priestertum der Gläubigen ist noch entwicklungsfähig. Ältere haben den Freiraum sich einzubringen. Besonders im Bereich der Seelsorge fehlen Menschen, die Zeit haben, zuzuhören. Ältere können neue Gruppen beginnen, in denen Menschen ihre Interessen teilen und Gemeinschaft finden können. Wo ein ehrlicher offener Austausch möglich ist, kommen auch Glaubensfragen zur Sprache. Die Mehrzahl der Älteren hat noch nie das Evangelium verständlich gehört. Viele sind noch nie Christen mit einem lebendigen Glauben begegnet. Sie sollten eine Chance haben, jetzt zum Glauben zu finden. Es gibt Lebenssituationen, die für eine Neuorientierung empfänglich machen.

Zur Vertiefung

  • Was muss ich loslassen, um unbelastet in den neuen Labensabschnitt gehen zu können?
  • Wo sehe ich meinen Auftrag in den kommenden Jahren?
  • Wie kann ich jüngere Menschen ermutigen, fördern, begleiten?
  • Was kann ich dazu beitragen, dass Menschen noch im dritten Lebensabschnitt zum Glauben kommen?

Autor

Dr. Heiko Hörnicke, geb. 1927, war Professor für Biologie. Er fand mit 51 Jahren zum Glauben an Jesus Christus und liess sich mit 60 beurlauben, um sich gemeinsam mit seiner Frau Christel im Gemeindeaufbau zu engagieren. Heute liegt ihr Schwerpunkt darauf, Christen im dritten Lebensalter geistlich herauszufordern. Sie sind im Netzwerk Evangelisches Seniorenforum (ESF) aktiv. Hörnickes haben zwei erwachsene Söhne und leben in D-Ludwigsburg.

Kontakt

Dr. Heiko Hörnicke

Tel. +49 (0)7141-299 27 43

E-Mail: heiko.hoernicke@t-online.de

Literatur

Heiko Hörnicke, Aufbruch im dritten Lebensalter, ISBN 3-937896-21-X

Ingrid Trobisch-Youngdale und Lauren Youngdale
Älter werden ist nicht schwer, älter werden aber sehr

ISBN 3-417-24955-4

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 Dieser Artikel erschien im aktuellen Chrischona-Panorama auf Seite 4