Wie im Himmel, so auf Erden
Was glaubst Du eigentlich? Worauf hoffst Du? Was macht Dich im Tiefsten aus? Das sind Fragen, die ich nicht billig abtun oder oberflächlich beantworten möchte. Es sind meist Momente der Stille, in denen solche Fragen auftauchen. Ich will sie zulassen, in guten und auch in schlechteren Zeiten.
Wenn ich dabei bin, solche oder ähnliche Fragen zuzulassen – manchmal ist es auf einer Autofahrt, die ich allein mache, manchmal auf einem Spaziergang, manchmal in einer Kirche –, erinnere ich mich an Passagen aus der Bibel. Nicht selten beginne ich mit Menschen der Bibel zu beten. Das sicherlich bewegendste Gebet ist dabei das Gebet, das uns Jesus selber gelehrt hat: ‘Unser Vater im Himmel’. Oft ist es so, dass ich gar nicht über den ersten Satz hinauskomme. Er endet: «Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.»
Mit dieser Bitte gelange ich in die Nähe der Beantwortung oben gestellter Fragen. Wer bin ich? Ich bin einer, der sich eingeklinkt hat in dieses einzigartige Unternehmen, dass etwas von dem, was im Himmel schon klar ist und sich bereits ereignet, sich auch hier auf Erden ereignen möge. Jesus selber hat die Himmelsgüter zugänglich gemacht, indem er leibhaftig hier auf die Erde gekommen ist. Er hat es vorgelebt, dass «Himmel auf Erden sei». In seiner Nähe war Himmel auf Erden. Bei mir mag es stinken, mag es nach Erde riechen, mag nichts von der frischen Himmelsluft spürbar sein. Doch auf die Frage, wer ich sei, habe ich eine Antwort: Ich bin einer, der sich in dieses unübertreffliche Unternehmen hineinstellt, dass der Wille des Vaters geschehe, nicht nur im Himmel, sondern – wenn auch nur bruchstückhaft und manchmal in kleinen Portionen – auch auf Erden.
In mir herrscht eine grosse Spannung. Selbstverständlich muss ich Bescheid wissen über diese Erde. Nach meiner Einschätzung und nach einem Rat, was denn hier und dort zu tun wäre, werde ich laufend gefragt. Ich möchte auch klare Antworten geben: Worauf haben wir uns in nahender Zukunft gefasst zu machen? Was sagen uns die Psychologen, Soziologen und Naturwissenschaftler, also die ‚Weisen aus dem Abendland’, wie ein alter Bischof die Wissenschaftler nannte? Doch wo werden ihre Aussagen im besten Sinne des Wortes relativiert? Diese Relativierung – im Unterschied zur Verabsolutierung – kann doch nur an und bei Gott stattfinden. Bei ihm, im Himmel, sind die Dinge klar. Wo wir hier auf Erden noch schwer am Suchen sind, ist es bei Gott schon klar. Deshalb kann ich beten: Wie im Himmel, so doch auch auf Erden. Ja, diese Klarheit von ihm: sie tut Not unter uns Menschen. Hier ist die tiefste Antwort auf die Frage, wozu ich da bin: einen kleinen Beitrag zu geben, dass sich hier auf Erden etwas vom Himmel her ereignet. Was Gott schon in seinem Wort geredet hat, ist geoffenbart, also offengelegt. Damit zu leben, von hier aus zu denken, darin mein und unser Handeln zu verwurzeln: das macht Sinn – in Höhen und in Tiefen.
| Dieser Artikel erschien im aktuellen Chrischona-Panorama auf Seite 20 |