Liebe Leserin, lieber Leser
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| Dr. Markus Müller, Direktor |
«Mach’s wie Gott – werde Mensch». Mit diesem Satz hat ein kluger Bischof darauf hingewiesen, dass evangelisches Leben nicht Ausstieg, sondern Einstieg in das Leben und die Wirklichkeit ist. Etwas abschwächend könnten wir sagen: «Mach’s wie Gott: Nimm die Menschen ernst» oder «Mach’s wie Gott – verlier die Menschen niemals aus dem Auge».
Es scheint wie eine Urversuchung von uns Menschen zu sein, dass wir lieber aus der Wirklichkeit aussteigen, als dass wir sie ernst nehmen und uns ohne Scheuklappen in sie hineinbegeben. Gott hat dies getan.
Christlicher Glaube baut sich keine eigene Wirklichkeit – das wäre Ideologie. Christlicher Glaube ist Begegnung mit der Wirklichkeit: Zum einen zuerst mit der Wirklichkeit Gottes, und zum andern mit der ungeschminkten Wirklichkeit dieser Welt. Beides ist immer wieder bedroht, am allermeisten wohl durch unser eigenes Denken, das sich gerne in Systeme hineinzwängen lässt und sich dementsprechend lieber an Gewohnheiten, Routinen und Gesetzlichkeiten orientiert als an der Frische des Evangeliums. Der Glaube wird dann lauwarm, und das Denken über unsere Welt oberflächlich, herz- und hoffnungslos. Ich vermute, sollte es uns nicht gelingen, aus solch undankbaren Mustern auszusteigen, verharmlost sich der christliche Glaube innerhalb unserer Gesellschaft und wird mehr zum Abbild unserer Gesellschaft als zu einer durchdringenden Gestaltungskraft in unseren Dörfern, Städten und Ländern.
Mir bedeutet folgende Aussage über Christian F. Spittler, dem Gründer der Pilgermission St. Chrischona, sehr viel. Von ihm wird gesagt, dass er es vermochte, «aus der Beschaffenheit der Zeitverhältnisse die Bedürfnisse der Zeit herauszuahnen, zur Befriedigung derselben fruchtbare und zeitgemässe Pläne [...] zu gestalten und diese Pläne mit unüberwindlicher Zähigkeit und Ausdauer bis zu ihrer schliesslichen Verwirklichung […] zu verfolgen». Es könnte sein, dass Chrischona seine Existenz nicht zuletzt dieser einzigartigen Fähigkeit verdankt. Ich habe den Eindruck, dass wir heute kaum zehn Prozent dessen verstanden haben, was sich in den vergangenen 30 Jahren getan und verändert hat. Vor diesem Hintergrund ist es recht, uns gegenseitig zu helfen, die Menschen nicht aus den Augen zu verlieren, ihre Bedürftigkeit zu erkennen und Mut zu gewinnen, als einzelne Menschen, als einzelne Gemeinde und auch als gesamtes Werk Zeichen in einem scheinbar zunehmend bedrohten westlichen Kulturkreis zu setzen.
Noch eine Anmerkungen zu uns als Werk der Pilgermission: Wir sind bis zum heutigen Tag sehr dankbar, wie Gott durch die beiden Bibeltexte Jes. 61,1-3 sowie 1.Petr. 2,9 zu uns als Chrischonawerk gesprochen hat. Wir laden Sie ein, diese Texte aufzugreifen, sich inspirieren zu lassen und selber zu fragen, was sie für Ihr Leben und Ihren Dienst bedeuten könnten.
Wir wünschen Ihnen ein von Gott gesegnetes Jahr 2008 und immer neu viel Vergnügen und Gewinn bei der Lektüre unseres ‘Chrischona-Panorama’.
Dr. Markus Müller
Direktor